Weglos an kurzen Tagen

In Oberösterreich da steht ein Berg, einer der nicht über die Zweitausend reicht, aber trotzdem seine 1200 Höhenmeter vorweist und schon richtig alpin aussieht und sich auch so anfühlt. 

 

Auf diesen Berg, den Traunstein, den Wächter über den Traunsee, gibt es einige wenige offizielle Wege und viele die nicht jeder kennt. Diese Wege findet man, wenn man den Einstieg weiß. Wenn man weiß, wo sie vom Normalweg abbiegen. Ab dort finden sich für den wachen Blick kleine und große Wegweißer aus Stein. Flache Steine werden von der begehenden Gemeinde aufgestapelt, um dem folgenden Begehern die Richtung zu weisen. 

 

Das sonnige Wetter zwischen den Jahren und der Schnee, der auf sich noch ein wenig warten ließ, zogen uns nach Gmunden und in die Richtung jenes Gipfels. 

 

Normalerweise brauchen wir auf dem Traunstein ein bis zwei Stunden. Drum haben wir uns den Fehler geleistet und die Stirnlampe vormittags aus dem Rucksack geräumt um sie im Auto zurück zu lassen.

 

Der Einstieg ist, dank einer Beschreibung eines Bekannten schnell gefunden und die ersten vier- bis fünfhundert Höhenmeter legten wir, auf Wegen die hier und da eine Spur des Vorgängers aufzeigen und sehr deutlich mit Steinmandeln gekennzeichnet sind, zügig zurück

 

 

Weiter oben kommen die ersten Stellen zum Kraxeln, zum leichten Klettern. Ab hier fordert der Weg mehr Aufmerksamkeit, sowohl die Stapel aus Steinen, die den Weg weisen, sind schwieriger zu erkennen und rarer gesetzt, als auch das Geländer wird schwieriger. 

 

Durch eben die fehlenden Steinmandeln interpretiert man den Weg immer öfters selbst und überlegt sich, wo das beste Durchkommen ist. Und so haben wir uns auch gleich mal in der großen Wand, die sich vor uns auftat, verstiegen. Wir kamen an ein Stück, das nicht mehr querbar war und durften im brüchigem Fels erst mal wieder abklettern. Das senkt nicht gleich die Stimmung, steigert sie sogar erst mal, da es sich immer mehr wie Bergsteigen statt Wandern anfühlt. Kostet aber Zeit. 400m verstiegen, stehlen dir gleich mal 1 1/2 Stunden, bis du wieder an der Stelle angelangt bist, an welcher du dich für den falschen Weg entschieden hast. 

 

Aber mei, die Sonne schien und wir haben weiter gesucht. Da es definitiv nicht der untere Ausgang aus der Wand war, konnte es nur die Schneise 50m höher sein. Unser Entschluss stand nach kurzem Überlegen fest, dass wir nur noch die Stellen passieren, die wir sicher abklettern können. Nach den ersten zwei Kraxelstellen haben wir nach zwei Stunden wieder einen kleinen Berg aus aufgestapelten Steinen gesehen, der uns den weiteren Weg gewiesen hat.

 

Dadurch steigt natürlich die Zuversicht und man klettert auch über Hürden, die man nicht unbedingt wieder abklettern möchte. So erreichten wir einen wunderschönen Platz auf halber Höhe des Traunsteins, mit einem Blick über den Traunsee, der zur Teepause einlud. Nach kurzer Rast querten wir nun eine gefühlte Ewigkeit steile Waldstücke. Hier senkt sich das Tempo nochmals enorm, da jeder Schritt im steilen Gelände automatisch gezielter und überlegter gesetzt wird. Die Höhenmeter macht man immer wieder in kurzen sehr steilen Anstiegen auf weichem Waldboden gut. Allerdings kamen wir ab hier viel langsamer nach oben als wir geplant hatten. 

 

Die Sonne ging nun langsam unter und wir haben, wie anfangs erwähnt, die Stirnlampen, wie die großen Helden, im Auto sicher verstaut. Wir haben uns erstmal einen zügigen Schritt verordnet, allerdings nach einer weitern halben Stunde eingesehen, dass wir es in der kurzen Dämmerungsphase nicht auf den Gipfel schaffen würden. Also wurde Plan B kreiert.

 

Plan B bestand darin, den Hang nun, ohne neue Höhenmeter aufzunehmen, zügig in eine Richtung zu queren, in der wir den normalen Abstieg wussten. In einem steilen Grasshang ist dies allerdings leichter geplant als umgesetzt. Wir kamen da wir immer noch jeden Schritt genau setzten mussten, immer noch nicht all zu schnell voran und eine Schlucht versperrte uns ebenfalls den direkten Weg.

 

Ab hier traten wir den Abstieg im Zickzackstil an. Von Baum zu Baum, alle 10m die Richtung wechselnd, erreichten wir nun den untersten Teil der Schlucht und uns trennte nur noch ein Geröllfeld, welches mit dichten Latschen versehen war, vom offiziellen Abstieg. Oder besser gesagt, wo wir den Abstieg vermuteten. Die Latschen waren erst 100m tiefer durchquerbar, also mussten wir hier den Wasserrillen folgen. Diese waren mit tiefem Geröll gefüllt. Das hat den Vorteil, dass jeder gemachte Schritt kurz einsinkt und man während dessen den nächsten Schritt setzten kann.

 

An einer lichten Stelle konnten wir nun endlich die Latschen queren und sahen von weitem schon einen gefällten Baum und wussten somit, dass hier ein vernünftiger Weg bergab zu finden ist.

 

Zehn Minuten nach dem wir den Normalweg für den Abstieg erreicht hatten, war dann das letzte Licht weg, aber ab hier reichte allerdings Trittsicherheit und ein waches Auge um die letzten 300hm nach unten abzusteigen.

 

Die letzte Dreiviertel Stunde zum Auto legten wir dann auf einer Forststraße zurück und gönnten uns die Handytaschenlampe als Gehilfe.

 

Haben wir was draus gelernt? Eigentlich nicht, selbst ohne Stirnlampe kommen wir immer sicher nach Hause. Vielleicht packen wir sie trotzdem das nächste Mal ein. 

 

    

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    WanderWeib (Montag, 11 Januar 2016 14:02)

    Schöne Fotos & Wanderung. :)

    Viele Grüße aus Tokio,
    Tessa