Großvenediger über Kürsinger Hütte

Da machen wir uns mitten im  Juli auf den Weg und bekommen den kältesten Tag des Sommers ab. Windböen bis 100km/h und minus 15°C Kälte lassen uns nur sehr kurz auf dem Gipfel verweilen. 

 

Am Freitag Abend haben wir uns mit Freunden in Neukirchen getroffen und die faule Variante gewählt, das Großvenediger Taxi brachte uns bis zur Materialseilbahn und von dort stiegen wir grade Mal eine Stunde bis zur Kürsinger Hütte auf. Die Erstbegeher mussten auf diesen Luxus vor 175 Jahren noch verzichten. Die Hütte selbst kann man nur loben, zwar recht groß und touristisch, dafür aber ordentlich und vor allem eine echt nette Bewirtung. Freitag Abend machten wir uns schon etwas Sorgen wegen des Wetters, aber die Hütte war voll mit Bergführern und so warteten wir einfach Mal den nächsten Morgen ab.

 

Wie erwartet war der erste Blick aus dem Fenster ein Blick ins Nichts. Wir waren um 6 Uhr morgens fast die letzten auf der Hütte und winkten während dem Frühstück einer der Bergführer Gruppen die dick eingepackt in dieses weiße Nichts verschwanden. Da ja eine Spur sichtbar war und eigentlich nicht so viel Wind zu spüren war, zogen wir ein bisschen später auch Richtung Gletscher los. Die ersten beiden Stunden liefen wir praktisch nur den Spuren nach, anders wäre es auch gar nicht möglich gewesen bei Null Sicht über den spaltenreichen Gletscher zu finden. Hin und wieder gleichten wir die Spur mit unserem GPS Track ab, der Bergführer schien auch ein Fan von Outdooractive zu sein.

 

Auf dem Weg zur Venedigerscharte wurde der Weg steiler und zum ersten Mal flackerte etwas Umgebung auf. Der stärker werdende Wind vertrieb den Nebel und die Wolken schoßen nur so über uns hinweg. Ein Felsblock hier, auftauchende Gruppen vor uns und schließlich der Blick auf die weite Flanke des Großvendigers. Dort erwischte uns zum ersten Mal so richtig der Wind.

 

Wir kämpften uns die Flanke hoch, überholten einige Bergführergruppen und mussten dann selbst spuren, da der Wind immer wieder innerhalb von einigen wenigen Momenten die Spuren der Vorgänger verwischte. Schritt für Schritt kämpften wir gegen den Wind, mussten immer wieder kurz anhalten um die stärksten Böen samt Eishagelkörnern abzuwarten und erreichten dann recht unerwartet schon direkt den Gipfelgrat. Der war bis auf ein paar wenige Meter recht breit und gut zu gehen. Die wenigen Meter zum tatsächlichen Gipfelkreuz jagten uns dann doch Respekt ein, vor allem wegen der Sturmböen, die unkontrolliert von allen Seiten an uns rüttelten. Den Gipfel konnten wir im Nachhinein betrachtet tatsächlich nicht geniessen. Es war eher ein "schnell wir machen ein Foto, schlagen ein und verschwinden ganz zackig wieder". Ein bisschen haben wir uns wirklich gefühlt wie auf einer großen Expedition. Der Sturm, der halbe Meter Neuschnee und die Kälte setzten uns ziemlich zu und verwandelten diese doch eigentlich recht einfache Hochtour in ein richtiges Abenteuer. 

 

Text: Lisa Prechtl

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