Berge mit Pferde

Text: Lisa Prechtl

Mein Highlight der Reise war eine etwas chaotische und gänzlich ungeplante zweitägige Wanderung ganz am Ende unseres Triptrips - mit zwei Einheimischen und zwei Pferden.

Wir waren schon ein paar Tage aus Cusco raus und noch immer hatte ich im Hinterkopf, dass man doch in den Anden mal mit Lasttieren irgendwo über die 4.000 hm-Grenze wandern müsse, um in einem Zelt zu schlafen. Trekking halt. Dafür fährt man doch in die Anden.

Da wir aber unterwegs immer wieder (eher unsportliche) Reisende trafen, die uns erzählten sie wollen den Inca Trail , Salkantay oder Wieauchimmer Trek machen, waren wir etwas abgeschreckt davon uns einer großen Gruppe anzuschließen. In Cusco haben wir durch die Vielzahl der undurchsichtigen Angebote dann endgültig beschlossen, dass das nichts für uns ist.

Als wir aber dann in einem netten Guest House in Ollantaytambo unterkamen, in dem eine Kanandierin arbeitete, konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, ob sie nicht einen Guide kenne. Und so lernten wir Wither kennen....

Nach einigen Überlegungen einigten wir uns auf eine der von ihm vorgeschlagenen Touren. Kriterien waren, dass wir mit Pferden losziehen wollten und es sollte eine Rundtour sein. Er schlug uns dann die Übernachtung am Fuße eines Gletschers vor und erwähnte, dass es keinen "real hiking path" gäbe - damit hatte er uns sofort überzeugt und gleichzeitig dachten wir dass ein bisschen Weg ja sicher ausreiche.

Die Wanderung war dann tatsächlich die abenteuerlichste Wanderung seit Langem. Wir wanderten gemeinsam mit Wither und einem einheimischen Bauern, Florentino, und seinen beiden Pferden hoch zu seiner Rinderhochweide. Er hatte aber wohl nicht bedacht, dass schwer beladene Pferde mehr Raum in Anspruch nehmen als die dünnen Kühe. Dementsprechend dauerte der Aufstieg mit Auf- und Abpacken der Pferde vor Dickicht und Hindernissen aller Art einige Zeit. Teilweise trugen wir unsere Rucksäcke auch einfach selbst, um die Pferde zu entlasten. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie sie die Pferde nach oben gebracht haben. Wir sollten dann immer ein bisschen vorlaufen. Sobald kein Pfad mehr in Sicht war und wir nicht mehr wussten wohin, meinte Wither immer nur "arriba, arriba": nach oben.

Am Ziel auf ca. 4.300 m angekommen genossen wir the peruvian way of life: Erstmal chillen. Coca Blätter kauen. Ein Zelt aufbauen. Dann wieder chillen. Egal ob Regenwolken im Anmarsch sind oder nicht. Dann irgendwann das zweite Zelt aufbauen.

Der Abend verlief dann genauso entspannt, nach mehrmaligem Bitten durfte ich Zwiebel schneiden und Wither kochte für uns das beste Essen seit Langem (er ist wohl auch Koch). Dann erklärte er uns in seinem Spanisch-Englisch-Gemisch, was es mit den Mythen rund um die Berge hinter uns auf sich hätte, woher die Quechua Namen kämen und warum Berge für die Inka so wichtig waren. Gemeinsam opferten wir etwas von unserem extra mitgebrachten Rotwein für den Berg und kletterten recht bald etwas frierend und hundemüde in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen gab es Frühstücks-Picknik mit Bergblick und bis wir endlich gepackt hatten, war es fast Mittags. Ich war ja überzeugt, dass der Weg zurück nicht schlimmer sein könnte als unser Aufstiegspfad. Falsch gedacht. Statt durchs Gebüsch, führten uns unsere Guides entlang der typischen, steilen goldgelben Andenhänge wieder aus dem Tal. Holger und ich hatten mit Wanderschuhen schon Probleme hier ordentlich zu laufen. Dazu kam noch die ständige Angst, dass eines der Pferde abstürzen würde. Hochachtungsvoll ziehe ich den Hut vor Tornado und Pignon, die unsere ganze Ausrüstung wohlbehalten wieder zurück gebracht haben (samt einer 5 L Gasflasche).

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