Das neue Waltenberger Haus

Seit zwei Wochen ist das neue Waltenberger Haus eröffnet. Das ist für uns wichtig, da der Hüttenwirt Markus irgendwie mitverantwortlich für Adele Bergzauber ist. 

Vor neun Jahren hat mein Bruder auf der Simmshütte im Lechtal zwei Sommer verbracht. Zu der Zeit war Markus, der heutige Hüttenwirt des Waltenberger Hauses, für die Simmshütte verantwortlich. Es waren seine ersten Jahre als Wirt in den Alpen. Und eben in diesen zwei Jahren war die Simmshütte bei schönen Wetter mein Ausflugsziel Nummer eins.

Eines kühlen Nachmittages haben die Damen des Hauses fleißig Mützen gehäkelt und da das Wetter nicht einladend genug für spontane Bergtouren war, habe ich mich in die Kunst des Haubenhäkelns einweihen lassen. 

Ich war zwar bemüht, aber erstmal nicht sonderlich begabt. Somit zog sich der lehrreiche Häkelnachmittag bis in die nächtlichen Stunden. Mit viel Weizen und Schnaps saßen wir am Ende nur noch zu dritt am Tisch und der Hüttenwirt Markus war mein technischer Assistent, der mir immer ermahnend zur Seite stand. Mit Kommentaren wie "zu locker", "zu wellig" oder "das musst du wieder auftrennen" unterbrach er meinen Arbeitsfluss immer wieder, trug aber letztendlich zu einem tragbaren Ergebnis bei. 

 

Einen Tag später im Tal habe ich angefangen Mützen zu häkeln und zwar Eine nach der Anderen. Die ersten zwei Wochen war ich so im Bann, dass ich kaum mehr am Berg war. Die perfekte Form zu finden war wichtiger für mich. Drei Wochen später habe ich die ersten Mützen am Berg, bei gemütlicher Hüttenstimmung, in einem Korb zum Verkauf angeboten. Einen Monat später,  wurden die Ersten online gestellt und ab da konnte ich zwei Jahre lang auf jeglichen Nebenjob während des Studiums verzichten. Ich musste keine Snowboardkurse mehr geben um mir das Skifahren zu finanzieren, sondern habe vom Mützen häkeln gelebt. Und ein paar Jahre später, über viele Umwege ist so Adele Bergzauber entstanden. Und das Alles weil wir einen hartnäckigen Hüttenabend hingelegt haben.

 

Seit vier Jahren ist Markus nun Hüttenwirt auf dem Waltenberger Haus, nach einigen Jahren auf dem "alten" Waltenberger Haus stand die komplette Renovierung fest. Letzten Sommer war es komplett geschlossen. Markus hat währenddessen keine Bergsteiger versorgt, sondern die Bauarbeiter den ganzen Sommer über bekocht, selbst mit angepackt und als Bauherr das Haus betreut. 

 

Heute steht er oben und kann stolz und mit Begeisterung sein neues Haus präsentieren. Der Bergtourist wird mit einem großen edlen Trockenraum begrüßt, kommt in einen modernen Gastraum mit Panoramafenstern und legt sich zur Ruh in geräumigen Zimmern mit 3 - 12 Betten. Das Herz, oder die großen Veränderungen, befinden sich aber hinter der Fassade. Moderne Stromversorgung mit Solarmodulen und einem großen Batteriespeicher decken ohne Unterbrechung den Strombedarf. Modernste Kühlräume und eine große Industrieküche machen hervorragendes frisches Essen möglich. Die neuen Lagerräume sind so angelegt, dass der Versorgungshubschrauber ohne lange Menschenketten direkt entladen werden kann. All das wird die Arbeit am Berg für das Team erleichtern und die Qualität der Versorgung verbessern.

Doch die größte Erleichterung kann man in Markus Gesicht erkennen, wenn er seinen neuen privaten Bereich vorführt. Die letzten Jahren hat die vierköpfige Familie die Sommer privat auf 13qm verbracht, im neuen Waltenberger Haus steht ihnen eine kleine gemütliche Wohnung zu Verfügung. Und man mag es ihm wohl vergönnen die Wohnung mit dem besten Blick im Allgäu zu haben. 

 

Wer Lust hat Markus auf dem Waltenberger Haus zu besuchen, erreicht es ab der Bergstation Fellhorn in ca. 3-4 Stunden. Wir haben uns gestern beeilt und waren in 1 1/2h oben, aber dann hat man schon recht ordentlich Durst wenn man oben ankommt.