Mountainbiken in Georgien

Bilder:Lisa Prechtl & Rene Sendlhofer Schag

Die Idee nach Georgien zu reisen war recht schnell geboren.

Auf der Alpinmesse in Innsbruck haben wir uns mit unserem Standnachbarn Rene von Bikefex unterhalten. Er bietet Reisen in interessante Länder an und sein damaliges nächstes großes Projekt war ein Trip nach Georgien.

Zudem ist einer meiner besten Freunde in Georgien aufgewachsen und wir planen schon seit Jahren, dass wir dort gemeinsam hin fliegen.

Somit war relativ spontan die Idee geboren, dass wir uns für zehn Tage nach Georgien aufmachen um sowohl Mountainbiken zu gehen als auch Land und Leute kennenzulernen.

 

Zu Georgien gehört der große Kaukasus, dort waren wir 5 Tage abseits der Zivilisation zum Radfahren unterwegs. Die Wege dort sind "weglos" und man kann keinen Meter hoch fahren sondern trägt das Fahrrad auf dem Rücken. 

Da wir hoch hinaus wollten, hatten wir das Rad sehr lang auf dem Rücken, stiegen steile Hänge hinauf und querten lange Bergrücken.

Erstaunlicher Weise fällt uns das Tragen leichter als das Pedalieren und bis auf einen verspannten Nacken sind wir mit viel Spaß bei der Sache gewesen.


Auf Tails von 3000m flowig ins Tal hinab.


Letztendlich haben wir so lange getragen bis die Sonne untergegangen ist.

Bei langen Touren geht eben auch mal der Tag  in den Abend über und als wir die Scharte erreichten war die Sonne schon lange weg und es wurde dunkel.

 

Hier oben begrüßte uns ein Hirte, zum Glück ohne Hund, auf dem letzten Gipfel des Tages bevor wir in der Dunkelheit abfuhren. 

 

 

Die Hirten werden von großen Schutzhunden begleitet. Dieser kleine Hund ist noch ein ganz Süßer. Aber die große Variante ist mit Vorsicht zu genießen. Sie hüten die Schafe in den Bergen und sind bereit sie auch gegen Bären zu verteidigen. Manchmal hat man das Gefühl, dass sie keinen großen Unterschied zwischen Bär und Radfahrer machen und mehr als nur einmal waren wir froh das laute Bellen und Knurren hinter uns zu lassen.

Die von den Hunden bewachten Schafe sind der Grundstein für Georgiens wichtigsten Käse.

In den weißen Säcken auf dem Bild wird auf den kleinen windschiefen Berghütten der Schafskäse gelagert. Die Tiere werden auf den Bergen gemolken und die Milch zu einem Weichkäse verarbeitet. Er wird zum Haltbarmachen in Salz eingelegt und bekommt durch die ständig präsente Wärme einen säuerlich- gegorenen Geschmack. Gewöhnungsbedürftig, aber gehört definitiv zu Georgien dazu.

Von den windschiefen Berghütten führt der Weg abwärts über schmale Pfade, welche die Hirten zum Transport ihrer Waren nutzen. Die schmalen Wege werden fast ausschließlich mit Pferde beritten und haben eine für uns fast ungewohnte Gleichmäßigkeit. Unbewusst wurden so wunderbare flowige Trails in den Berg gezogen. Der Tail auf dem Bild  führt von fast 3000 m ins Tal hinab und schlängelt sich im mäßigen Gefälle, steile Berghänge entlang. Ein Traum.


Mit Bikefex nach Georgien



Drei Nächste verbringen wir in einem kleinen Bergdorf. DieRegion nennt sich Tusheti und ist ein Tal mit vielen kleinen Bergdörfern, die nur im Sommer bewohnt werden. Ab September wird die ungeteerte Passstraße gesperrt und Tusheti ist nicht mehr erreichbar. Die kleinen Dörfer mit ihren einfachen Behausungen sind wie aus einer anderen Zeit. Einzig die mit Ladekabeln vollgepackten Steckdosen erinnern an das hier und jetzt. 

Neben Allradfahrzeugen kommen hier nur wirklich alte Trucks in Tal. Die Straßen sind so uneben, dass sie in Deutschland als Offroadparcours gelten würden. 

Im Rest von Georgien sieht man viele in Deutschland ausgemusterte PKWs. Woran man erkennt, dass gerne deutsche Fahrzeuge verwendet werden? Viele Wagen sind noch mit deutschen Werbebotschaften beschriftet. So überholt dich der Blumenladen Sonne oder es blockiert die Schreinerei Bernhard den Weg. 

 

Insgesamt haben wir uns 5 Tage Mountainbiken in Tusheti und zwei Tage auf städtischen Trails in Tiflis gegönnt. Die 5 in den Bergen waren fast immer tagesfüllende Ausflüge und man hat sich Abends sorgen können, ob man am nächsten Morgen die Kraft für den nächsten Trip, auf die nächste Scharte aufbringt. Doch letztendlich frühstückt man deftigst, kommt wieder zu Kräften und steht nach einer Stunde wieder recht motiviert auf den Beinen. 


Tiflis, eine Mischung aus hippen Cafes und alten kommunischtischen bauten


Tiflis selbst ist eine interessante Mischung aus hippen Cafes, moderner Architektur und alten kommunischtischen Gebäuden. Es gibt eine Straße für Weinliebhaber, eine für junge Tifliser in Feierlaune, eine ausschließlich für gutes Essen und viele mit einem wilden Durcheinander. Da Tiflis auf der Höhe von Rom liegt ist es bis spät in die Nacht sehr warm und das Leben spielt sich auf den Straßen ab.

Im Bild sehen wir das tschechische Modell. So benannt, da diese Art des Plattenbaus während der Sowetunion in Prag entwickelt wurde. Die Bewohner der Stadt sehen diese Gebäude nicht gern und es erobern nach und nach neue Hochhäuser die Stadt. Hoch gebaut wird in Tiflis gern, da die Grundstücke unerschwinglich sind.

Das Bild entstandt vom Dach eines Hostels, das von Davids Cousin derzeit gebaut wird. David ist ein guter Freund aus Hamburg der jeden Sommer seiner 83-jährige Mutter in Tiflis besucht. 

Unsere letzten Tage verbringen wir bei Nana, Davids Mutter. Sie hat uns mit den wichtigsten georgischen Spezialitäten bekocht und zeigt hier Lisa Schritt für Schritt wie man Khachapuri zubereitet. Einer Mischung aus Teig und Käse, die es für jede Region des Landes in einer unterschiedlichen Art der Zubereitung gibt.