Lappland

Wer mal richtig abschalten möchte, sollte nach Lappland zum Skaten fahren.

Wir haben uns recht kurzfristig auf einen Aufenthalt in Lappland eingelassen. Die ersten drei Tage sind wir mit der Firma Weber Grill umhergezogen und haben eher in die Richtung Adventure gestartet und unsere hübschen Gesichter für ein Promovideo hergegeben. Für die zweite Hälfte unseres Trips in die Kälte, gab es als Programmpunkte: sportliches Trainingscamp und die Weite genießen.

 

Gleich die erste Nacht, nach unserer langen Anreise, haben wir uns auf eine kalte Nacht einstellen dürfen. Wir übernachteten in einem Eishotel. Das Hotel ist ein Zusammenschluss mehrerer Iglus und beherbergt viele kunstvolle Skulpturen aus blankem Flusseis.

Wir waren ein wenig bedrückt über die schlechte Klimabilanz, die solch ein Hotel aufweist. Das Eis für die Skulpturen wird aus einem gefrorenen Fluss gewonnen. Die Eisdicke, für die zu bearbeitenden Blöcke liegt ca. bei 70cm. Diese Eisstärke wächst allerdings erst bis Mitte März an. Das Hotel und die Skulpturen werden aber schon im November aufgebaut. Drum lagern die Betreiber das Eis in großen Schiffscontainern und kühlen es über den Sommer, damit es im Winter noch vorhanden ist. Der Schnee für die Iglus ist, nicht wie man eigentlich erwartet natürlicher Schnee, sondern es wird verdichteter Kunstschnee benötigt um die Wände des Eishotels zu bauen. Somit steckt eine Menge an Energie in dem Projekt. Hoffen wir mal, dass immerhin ein Teil davon aus Ökostrom gewonnen wird.

 

Nichtsdestotrotz ist es ein wunderschöner Ort. Alle Ecken sind dezent ausgeleuchtet. Die Stimmen werden vom Schnee gedämpft und Eisskulpturen zieren beeindruckend die Gänge. Die Betten sind aus blankem Eis und die Decken der Zimmer sind mit in den Schnee geritzten Bildern geziert.

Die Nacht verbrachten wir in dicken Schlafsäcken. Es ist an sich sehr mollig warm, allerdings darf man keinen Fuß oder Arm aus dem wärmenden Schlafsack strecken, da er ansonsten abfriert. (Immerhin gefühlt)

 

Wir blieben am Morgen weiterhin in der Kälte und erkundeten mit sechs Hunden die verschneiten Ebenen um Lappland herum. Alle Bäume sind dick in Schnee gewickelt und das fast täglich, da die Kälte diesen Wintertraum die ganze kalte Jahreszeit über konserviert. Die Hunde wirken im Stillstand wild und unbeherrscht. Keifen und fallen übereinander her. Es ist definitiv respekteinflößend, solch ein Rudel direkt vor der Nase zu haben. Sobald man allerdings den Schlitten losfahren lässt kehrt Stille ein. Kein Hund bellt mehr, alle laufen seelenruhig in hoher Geschwindigkeit dahin. Wer die Möglichkeit hat, mal eine Hundeschlitten Ausfahrt zu machen, sollte es definitiv in Angriff nehmen. Es vereint ganz viele Elemente, wie den Flow vom Skifahren, die Verbundenheit von Mensch und Tier und man fühlt sich direkt in der Natur verankert.

Für uns ein wenig zu eintönig ist das Eisfischen. Lisa wollte grundsätzlich keinen Fisch fangen, das hat sie auch geschafft, da die Wahrscheinlichkeit einen Fisch anzulocken deutlich sinkt, sobald man zu mehr als zwei Personen auf Deck bzw. auf Eis den Geräuschpegel steigert.

Allerdings waren wir mit einem Grillmeister der Firma Weber unterwegs und er hat während wir Löcher ins Eis gebohrt haben den Grill angeschmissen und wir bekamen, trotz erfolglosem Fischen, Rentier direkt vor dem Lagerfeuer serviert.

Unser großes Ziel für unseren Aufenthalt oberhalb des Polarkreises war es beeindruckende Nordlichter zu fotografieren. Die Chance dazu hatten wir in allerdings nur in einer Nacht, die restlichen Nächste waren bewölkt. Und in eben der einen Nacht hat sich nur ein kleiner Schimmer an Grün am Himmel gezeigt. Aber dafür haben wir in der Nacht wieder vier große Webergill angeschmissen und über Stunden gesmoked und im slow food style große Stücke Fleisch zubereitet.

Ab dann zogen wir zu zweit weiter und schalteten unbeabsichtigt so richtig ab.

 

Wir waren nach der Weihnachtszeit eher wieder im Durchstarter Modus. Die erste Woche nach der Weihnachtszeit erwachte der Kontakt zu unserer Näherei in Polen, zu unserer Schnittdirektrice und den Stofflieferanten langsam wieder zum Leben. Fragen und Aufgaben, die man die letzten drei Wochen gesammelt hatte, könnten nun abgearbeitet werden. Da wir ein bisschen unerwartet zu unserem Lappland Trip kamen, haben wir genau vier Tage Vollgas gearbeitet und wurden dann aus unserem Schwung wieder zwangs entschleunigt. Aber ich habe noch keinen Ort erlebt an welchem man so gut abschalten kann wie im Wintertraum im Norden von Finnland.

Wir wohnten in einer kleinen grün gestrichenen Hütte direkt am zugefrorenen See. Die Hütte hat eine eigene kleine Sauna, die wir jeden Abend anheizten Jeden Morgen stapelten wir Holz und entzündeten ein Feuer im Kaminofen direkt vor dem Frühstückstisch. Vor unserer Tür nichts außer Weite und Schnee.

 

Die Sonne geht erst um 11 Uhr auf. Die Tage kann man aber trotz Dunkelheit voll nutzen, in dem man mit Stirnlampe losfährt. Man trifft immer ziemlich schnell auf eine beleuchtete Loipe und steigt ein ins große Streckennetz.

Es ist ziemlich kalt hier oben und wer stehen bleibt friert. So fuhren wir meist Kilometer lange Abschnitte ohne stehen zu bleiben durch die wunderschöne Landschaft.

 

Das meiner Ansicht nach Schönste in Lappland sind die bewirtschafteten Hütten entlang der Loipen. Alle paar Kilometer gibt es urige kleine Hütten, in denen ein Feuer brennt und Kaffee gekocht wird. Hier wärmt man sich auf und kommt sehr einfach ins Gespräch mit anderen Langläufern. Oft trifft man Einheimische, die ihre Morgenrunden drehen, aber auch Touristen aus allen möglichen Ländern kommen hierher zum Trainieren.

So kann man den ganzen Tag dahingleiten ohne zu frieren oder zu hungern.

Falls wir mal kurz vor einem Burnout stehen kommen wir auf alle Fälle wieder.