Bschießer Nord

Den ganzen Aufstieg starrt uns unsere Abfahrt an. Wir wollen heute eine Nordflanke in Angriff nehmen. Sie sieht steil aus, sehr steil. Aber die Bedingungen sind heute so gut wie selten. Es hat ein bisschen geschneit, einen 1er Lawinenwarnstufe und es strahlt die Sonne vom Himmel. Also auf gehts.

Es ist immer wieder das Selbe. Wenn man einen Berg - egal ob im Sommer oder im Winter - direkt ansieht, ist er steil und undurchschaubar. Im Sommer kann man sich oft keinen Weg vorstellen, der sich durch den steilen Fels zieht. Im Winter ist es die Steilheit, die ein Berg ausstrahlt, die dich deine Fähigkeiten in Sachen Skifahren nochmals zweifelnd durchgehen lässt. 

Wir sind zu Dritt unterwegs. Lisa rennt mit der Kamera über der Schulter vor und zurück und läuft geschätzt die doppelte Strecke wie wir Zwei. Sie ist ganz begeistert, von der Sonne, dem frischen Schnee und den Bildern, die sie machen kann.

Wir andern Zwei überarbeiten bergauf den Leitspruch oder vielleicht auch besser den Untertitel, bzw. das Motto von Adele Bergzauber und unterhalten uns über Schneedeckenaufbau.

Mit den Schneedecken sind wir uns einig geworden. Der Untertitel schwebt noch. 


Hundertfünfzig Höhenmeter unterm Gipfel ist Schluss mit Laufen, wir fellen ab und steigen über die Westflanke Richtung Gipfel auf. Das Erstaunliche ist, egal bei wie viel Schnee man hier oben ist, die Flanke ist so gut wie immer freigeblasen. 

Wir stehen jetzt seitlich zu unserer Abfahrt. Sie versteckt sich allerdings hinter einer massiven, steil abfallenden Felswand. Immer noch wirkt es unwirklich durch diesen steilen Hang nach untern zu fahren. 

Aber jetzt erstmal Skitragen und hochlaufen. 

Am Gipfel wird Sonne getankt. Es ist windstill, kalt ist es auch nicht, also sitzen wir eine lange Zeit und haben keine Eile los zu fahren. 

Aber schlussendlich geht es an die Abfahrt. Und es ist wie so oft, wenn man mitten drin steht, sieht alles anders aus. Es ist wie im Sommer: wenn sich beim Aufstieg Richtung Gipfel keine unüberwindliche Stelle zeigt, sondern ein schöner Weg sich durch den Berg zieht. Was wir uns als Kuhle vorgestellt haben ist ein schönes offenes Feld. Es ist zwar teilweise sehr steil, aber dadurch, dass man die ersten Schwünge in gutem Schnee und in einem offenen Feld setzen kann, kommt man gut in seinen Schwung hinein. 

Wir finden zwei sichere Plätze um uns darüber auszutauschen, dass wir es uns enger und als 55 Grad steilen Hang vorgestellt haben.  Am zweiten dieser lawinensicheren Plätze lassen sich die Wand und der Telemarker gut einfangen. Vom Licht nicht das perfekte Bild, aber man kann hier trotz unserer Lockerheit nicht zu viel stehen bleiben und Posen fürs Foto erlauben.

Fazit des Tages: Geht schon.