Irland


Recht spontan war unser Ausflug nach Irland. Zwei Wochen vor Abflug habe ich Lisa von meinen Plänen erzählt, einen kurzen Trip nach Irland zu unternehmen. Sie sagte sofort, dass sie mitkommen würde. Sie dachte allerdings, dass ich zu Fuß einen Weitwanderweg gehen wolle.  Ich wollte diesmal allerdings auf eine neue Form des Reisens setzen, dabei unser Fahrräder mit Gepäck behängen und pedalierend die meisten Kilometer bewältigen. 

 

Letztes Jahr auf der Eurobike ist mir zum ersten Mal das Thema Bikepacking aufgefallen. Beim Bikepacking werden die Taschen direkt an den Rahmen gespannt. Das wird besonders gern mit Gravelbikes genutzt. Das sind Rennräder mit Stollenreifen, aber eben ohne Gepäckträger. 

 

Unsere Mountainbikes haben natürlich ebenfalls keine Gepäckträger und deshalb setzten auch wir auf die Bikepackingtaschen. Unsere Mountainbikes waren uns in Irland besonders wichtig, denn wir wollten auf alle Fälle in ein ganz bestimmtes Trailcenter, in welchem wir vor vier Jahren ein paar Tage waren. Damals waren wir dort um unsere Adele Kleidung während einer Mountainbike Europameisterschaft auszustellen. 

Gestartet sind wir in Irlands zweitgrößter Stadt Cork. Dort haben wir in einem süßen Bed and Breakfast übernachtet und unsere großen Bikebags für die Woche verstaut. Die ersten Kilometer aus der Stadt raus haben wir alle paar Minuten angehalten und nochmals unsere Taschen ummontiert, festgezurrt und neu geordnet. Doch als wir Cork hinter uns hatten, saßen die Taschen perfekt am Rad. 

 

Unser erstes Ziel lag 70km und eine Zahl an Höhenmetern, die einer kleinen Bergtour entspricht, entfernt. Mitten im Nirgendwo. Dort haben die Iren vor vier Jahren ein großes Trailcenter angelegt. In Irland gehört der Großteil der Länder keinen Privatpersonen, sondern dem Land. Deshalb sind solche Projekte deutlich einfacher umzusetzen als bei uns in den Alpen, bzw. grundsätzlich in Deutschland. 

Und diese ersten 70km stehen in keinem Reiseführer drin, denn es gibt 70km lang nichts zu sehen. Es sind einfach lange gerade Straßen umgeben von viel Gebüsch. Alle paar hundert Meter steht ein kleines einfaches Haus. Anfangs haben wir uns gefragt, ob dort wirklich jemand tagtäglich lebt. Doch dem ist wirklich so. Die Iren leben selten in Wohnungen, sie haben meist 3 Zimmer, Küche, Bad Häuser und die stehen eben meist ein bisschen mitten im Nirgendwo.

Wir waren ganz froh, auch die eher trostlose Seite von Irland gesehen zu haben. Denn der Rest unseres Trips hat uns ab Tag Zwei ausschließlich das schöne grüne Irland gezeigt.

 

Unser Ziel für den zweiten Tag war das Trailcenter Ballyhoura. Ein super angelegtes Trailcenter mit sicher 60km Trails. Alle Höhenmeter werden dort selbst getreten, aber alle Höhenmeter werden dafür auch zum überwiegenden Teil auf Trails bewältigt. Alles was bergab geht verläuft selbstredend ebenfalls auf Trails. Wir sind am Morgen unseres zweiten Tages einen 40km Loop gefahren und würden uns wünschen, dass so etwas simples und tolles auch irgendwann bei uns vor der Haustür zu finden ist.

Am Abend vor unserer Trailtour sind wir schon in Ballyhoura angekommen. An der Einfahrt zum Parkplatz steht ein großes Campen verboten Schild. Wir haben uns ein wenig überlegt, ein bisschen weiter ins Land zu fahren um dort zu Zelten. Aber kaum haben wir uns vor das kleine zum Trailcenter gehörende Hüttchen gesetzt, kam der zuständige Hüttenwart angefahren und hat gefragt ob wir heute hier Zelten möchten. Denn, wenn wir das vorhätten, würde er das Hüttchen auflassen, uns zeigen wo das Licht angeht und wie die Duschen funktionieren. Man kann sich vorstellen wie wir uns etwas verwundert gefreut haben. So etwas passiert einem wahrscheinlich nur in Irland.

Nach dem perfekten Vormittag in Ballyhoura war dann wieder Schluss mit entspannt Fahrad fahren. Wir haben nach der 40km Runde unsere Räder wieder mit jeweils 20 Kilo Gepäck beladen und sind in Richtung Killarney aufgebrochen. 


Man könnte jetzt abwertend sagen, Killarney wäre voll von Touristen, aber es hat eher so gewirkt, als wären in Killarney alle Länder zuhause. Die Atmosphäre ist durch die vielen gemütlich Pubs sehr entspannt und die Bewohner der Stadt strahlen wie alle Iren eine innere Freundlichkeit aus. Und durch die vielen Menschen ist Killarney eine sehr lebendige Stadt und für uns eine gute Abwechslung zu den einsamen Straßen der letzten Stunden. 


Von Killarney aus fahren wir den wunderschönen Ring of Kerry. Wenn man ein Bild von Irland im Kopf hat, wird man hier meist bestätigt. 

Nach 20 km auf Irlands bekanntester Straße, überlegen wir einen direkteren Weg zu unserem nächsten Zwischenstop einzuschlagen. Die ersten Meter waren geteert, ein bisschen weiter hinten hat man den ersten Schotter gesehen. Auf uns zu lief ein nettes Paar um die 50 mit Hund. Die haben wir gefragt ob sie die ganzen 15km gewandert sind und wie die Beschaffenheit des Weges sein wird. Die Frau hat sich unserer Räder angeschaut und selbstsicher beschlossen, dass der Weg für Mountainbiker genau das richtige sei. Der Mann stand hinter ihr und wollte eher das Gegenteil mitteilen, kam aber nicht wirklich zu Wort. Zum Glück haben wir der Dame vertraut, sie hatte zwar nicht wirklich recht was die Fahrbarkeit anbelangt, aber landschaftlich war es der Hammer und von der Scharte aus hatten wir die nächsten 400hm einen schönen Trail. Trails mit Gepäck fahren war grundsätzlich kein Problem, allerdings mussten wir die Gabel zudrehen, da ansonsten das schwere Gepäck am Lenker immer wieder auf dem Vorderrad aufgesetzt wäre. 

An diesem Abend hätten wir als Krönung noch fast den perfekten Schlafplatz gefunden. Die letzten 20km der Tagesetappe haben uns auf einen Pass zwischen den kleinen Bergen an Irlands Küste geführt. Und als wir um Neun oben ankamen haben wir beschlossen, dass man schöner nicht Zelten kann. 

Bis wir unser Zelt aufgebaut hatten und gerade den Kocher anschmeißen wollten haben uns allerdings auch schon die Midges gefunden. Midges sind winzige Fliegen, die geräuschlos um Gesicht, Hände und Beine schwirren und ständig zustechen.

Wir haben gehofft, dass sie in der Höhe nicht anzutreffen sind. Aber wie uns später der Campingplatzwart so schön gesagt hat, es gibt sie einfach überall in Irland und besonders in hohem Grass und dort wo es schön ist. Innerhalb von 10 Minuten haben wir wieder abgebaut und sind noch bergab zum nächsten deutlich schmuckloseren Campingplatz geradelt.    

Doch am nächsten Morgen hätten wir sowieso keine Zeit für den schönen Ausblick gehabt. Wir hatten eine Fähre zu erwischen. Unser Ziel war die reizende Insel Cape Clear, einer der südlichsten Flecken Irlands. 

Auf Cape Clear leben ständig 80 Menschen, nochmals 40 regelmäßig am Wochenende und dann gibt es dort noch einige Menschen aus Cork und Umgebung die regelmäßig dort ein paar Tage ausspannen.

Was auf einer irischen Insel natürlich nicht fehlt ist ein Pub. Es gibt sogar zwei Pubs. Das Wochenende teilen sich die zwei Pubs so auf, dass das am Wasser gelegene Freitagabend eine Anlaufstelle für traditionelle Livemusiker ist und das 50 Meter höher gelegen Samstag Nacht eine Band spielen lässt.  

Wir kamen am Freitag auf der Insel an und saßen natürlich den ersten Abend im Pub unten am Meer. Wie für Irland typisch hatten wir nach 5 Minuten Gesellschaft am Tisch und  ein grandioser Abend mit Guiness und 3 sympathischen irischen Nerds nahm seinen Lauf. Die drei waren die irische Version der Charaktere aus The Big Bang Theorie und hatten das Wochenende frei von ihren jeweils 4 Kindern. 

Wir beschlossen ein wenig wegen Lisas´´ schmerzendem Knie, aber auch weil Pausen sein müssen auf Cape Clear einen wirklichen Ruhetag einzulegen und die Insel zu Fuss noch genauer zu erkunden.

 

Ein bisschen hat uns auch die Tatsache, dass wir nochmal leckeren und wirklich fangfrischen Fisch zum Abendessen haben konnten dazu verleitet auf der Insel zu verweilen. Wirklich fangfrisch heißt in dem Fall, dass es ab 19 Uhr Abendessen gibt und man erst um 18 Uhr erfährt, was heute auf der Karte stehen wird. 

Der letzte Tag führt uns radelnd wieder zurück in die, wie uns eine nette Familie aus Cork auf der Insel erklärt hat, wahre Hauptstadt Irlands. Das wunderbare Cork. Hier trinkt man Murphys und nicht Guinness und die Räder kann man anscheinend auch mal unabgeschlossen stehen lassen ohne, dass sie sofort verschwinden. 

 

Unser Fazit für das Reisen mit dem Rad ist, dass es uns gut gefällt, man wahnsinnig viel sieht, aber auch, dass man Highlights wie das Trailcenter auf alle Fälle einplanen sollte. Sonnst wird es uns Bergsportlern eventuell zu eintönig. 

 

Vielleicht kann ja mal jemand Bikepacking in Schottland probieren und von Trailcenter zu Trailcenter fahren und uns berichten wie das so war.