Asahidake Japan

Japan hat einen großen Vorteil für Skifahrer, es schneit eigentlich fast jeden Tag. Das bringt Unmengen an Schnee, aber auch selten Tage mit strahlend blauen Himmel. Vielleicht ist gerade deshalb der Skitouren-Hype noch nicht in Japan angekommen.

Natürlich haben wir die Felle nicht Zuhause liegen lassen, sondern voller Zuversicht auf einen sonnigen klaren Tag in die Skitaschen gepackt.

Wie durch eine Fügung, bekommen wir einen dieser seltenen schönen Tage, genau an dem Tag als wir unsere Zelte am Fuße des Asahidake aufgeschlagen haben.

Der Asahidake ist Teil der Daisetsuzan Volcanic Gruppe und zudem der höchste Berg auf der Nordinsel Japans. Somit der höchste Vulkan der Nordinsel Hokkaido.

Unser Plan ist den Vulkan über die Südwestseite zu besteigen und nördlich in den halb geöffneten Krater abzufahren.

Nach einem ausgiebigen und sehr leckeren Frühstück, welches fast ausschließlich aus Fisch bestand, machen wir uns auf den Weg.

Unterschätzt, oder eher nicht erwartet, haben wir die Eiseskälte an diesem Tag. Wir haben durch den starken Wind und die sehr winterlichen Temperaturen eine konstante gefühlte Temperatur von -20C°. 

Der stetige Wind bläst über den Bergrücken und trägt stätig den Schnee vom Bergrücken ab und schafft so eine harte eisige Oberfläche. Gemeinsam mit uns gehen einige geführte Gruppen an Franzosen Richtung Gipfel. Die ersten Teilnehmer kommen am Grat viel ins Rutschen und montieren sich Harscheisen. Unser Snowboarder Johannes schnallt das Splitboard ab und verlässt sich, als einer der geübtesten Berggeher im Allgäu, auf den Grip seiner Schuhe.

Wir kommen mit den Ski noch etwas weiter, aber nach zweihundert weiteren Höhenmetern hält auch bei uns das Fell nicht mehr auf dem eisigen Untergrund. Wir schnallen ab und montieren die Ski an den Rucksack. Je höher wir kommen, umso mehr nimmt der Wind zu und wir lehnen uns mit dem ganzen Gewicht gegen den Sturm um nicht umgeweht zu werden.

Durch den stärkeren Wind steigt natürlich auch die Kälte an und mir frieren auf den letzten 100 Höhenmetern die Finger fast ab. Anscheinend ist hier oben langsam meine Wohlfühlgrenze erreicht. Ich ziehe die Finger in meinen Handschuhen zu einer Faust zusammen und sammle so noch das Letzte bisschen an Wärme was in meine Hand steckt.

Oben angekommen vergessen wir für einen Moment die Kälte und den Wind und genießen einen sonnigen klaren Blick über Japans unzählige weiße Gipfel und Birkenwälder.

Trotz schöner Aussicht zieht die Kälte schnell in die Glieder und wir müssen uns zügig bereit für die Abfahrt machen. Wir rutschen bedacht an den Rand des Kraters und werfen einen ersten Blick auf unsere Abfahrt und die Rauchschwaden. Unten sieht man leider kein glühendes Rot. Nein so ein Vulkan ist es leider nicht. Aber es steigen aus mehreren Stellen große Dampfwolken auf. Hier entweichen die Gase aus dem Inneren des Berges.        

Der erste Schwung zeigt, dass wir trotz Wind hier oben noch schöne Bedingungen haben und so genießen wir die ungewöhnlich Abfahrt in den Krater.

Da der Krater nur noch zu einer Seite hin geschlossen ist und auf der anderen Seite eine offene Ausfahrt bietet, müssen wir durch die Nebelbänke, bzw. die Rauchschwaden die von unten her aufziehen, durchfahren.

Es ist vielleicht der beeindruckendste Whiteout welchen wir je erleben werden. Man sieht nix und die der Nebel riecht faulig nach Schwefel. Ein bisschen wie nach einer langen Silvesternacht in welcher, durch das Abschießen von Raketen der Dunst von Schwefel noch ein zwei Stunden in der Luft schwebt.

Je tiefer wir in den Rauch fahren, desto intensiver wird der Geruch. Ist man durch die Wolken durchgefahren erreicht man recht zügig die Baumgrenze. 

Und ab der Baumgrenze bis zum Fuß des Asahidake liegt er, der für die Nordinsel typische fluffige japanische Schnee. Wir fahren zwischen den tief verschneiten Birken und genießen die Mischung aus Schnee, blauem Himmel und Windstille.

Unten angekommen wird natürlich wie nach jeder guten Skitour eingekehrt. Allerdings steht hier kein süßer Kaiserschmarrn auf der Karte, sondern eine wärmende und würzige Portion Ramen. Einfach beschrieben, die beste und nahrhafteste Nudelsuppe der Welt.