Höfats Überschreitung

Wenn es 2019 eine Tour gibt, an die ich mich für immer erinnern werde, ist es die Höfats Überschreitung. 

 

Aber vorweg, diese Tour empfehle ich absolut niemandem und werde sie auch nicht wiederholen. 

 

Die Höfats hat einen interessanten Normalweg, der definitiv auch schon nicht für jeden das Richtige ist. Für mich würde ich den Normalweg eher als Laufstrecke bezeichnen und ihn so schnell wie möglich hochlaufen ohne einen Gedanken an die Abgründe zu verschwenden. Oben verschwitzt kurz Pausieren und dann wieder runter rennen. Das wäre meine Art die Höfats zu besteigen.   

Aber diesmal stand die Überschreitung auf dem Programm. Die Überschreitung führt einen von der anderen Seite auf den Gipfel und über den Normalweg wieder ins Tal. Es geht über extrem steile Grashänge nach oben. Im Bergsteiger-Jargon spricht man von Steilgras. Eine gutes Hilfsmittel auf diesem Untergrund ist ein Eispickel. Den haut man mit Schwung in den weichen Boden und nutzt ihn um sich daran hoch zu ziehen. Hat man keinen Eispickel mit dabei, greift man nach einem dicht bewachsenen Büschel Gras und nutzt dieses als halb-sichere Absicherung. 

Dieser Teil ist reinster Spaß und landschaftlich der absolute Wahnsinn. Man fühlt sich ausgesetzt aber sehr sicher (so sicher wie, man sich auf Graspolstern fühlen kann).

 

Das für mich schwierige Stück kam erst sehr weit oben, hatte es aber in sich. Oben ist nämlich kraxeln angesagt. Lisa und Johannes sind beim Kraxeln schmerzbefreit und routiniert. Unser vierter Mann Konstantin ist zwar neu im Kraxeln, stellt sich aber als fearless Bergsteiger heraus. Und mir pocht das Herz hier oben auf Anschlag. Links von mir geht es mindestens zwei, dreihundert Meter steil bergab und wir müssen jetzt den sowieso schmalen Grat verlassen um uns mit zwei Kletterzügen direkt über den Abgrund zu bringen um weiter nach oben klettern zu können. Ein Seil haben wir zwar dabei, aber eine gute Stelle zum Absichern gibt es hier oben nicht. Erst überlege ich wie ich da jetzt raus komme, sehe aber keine vernünftige Alternative als den Weg nach oben anzugehen. Zurück ist bergab zu steil und auch kein Spaß und hier oben überwintern hat ja auch keinen Sinn. Also zusammenreißen, immer nach vorn oder nach oben blicken, auf keinen Fall nach unten und bei gleichmäßigem Stoßatmen den nächsten Griff greifen und die Füße neu positionieren und das wiederholen bis man nach einer gefühlten Ewigkeit an einem neuen Wohlfühlpunkt ankommt. Dort durchatmen und das gleiche nochmals an der nächsten Schlüsselstelle wiederholen. 

In solch einer Situation bin ich froh, dass wir unsere Winterabende in der Kletterhalle verbracht haben. Denn mit einem pochenden Herz wird aus einer 3er Kletterei mal schnell eine 6er Stelle und da ich bis 7+ gut mithalten kann, habe ich es dann auch noch heil nach oben geschafft. 

 

Oben angekommen habe ich dann erstmal dem Bergsteigen abgeschworen. Aber wie es immer so ist, zwei Stunden später ist alles halb so schlimm und in drei Wochen erinnert man sich schon fast nur noch an die positiven Seiten der Tour und fängt langsam an über die Nächste nach zu denken.