Skifahren in Japan

Ferne Länder zu erkunden, macht viel mehr Spaß, wenn man seine Lieblingssportgeräte dabei hat. Zum ersten Mal haben wir das in Georgien festgestellt, als wir mit unseren Mountainbikes die Trails im großen Kaukasus erkundeten.

 

Was mit Bikes geht, muss auch mit Ski gut funktionieren. Schon seit einigen Jahren hatten wir immer wieder Berichte über Japan gelesen. Schnell war der Entschluss gefasst, wir wollten gemeinsam mit Freunden die Nordinsel Japans Hokkaido mit Schi erkunden. Die beste Reisezeit ist irgendwann zwischen Ende Dezember und Anfang Februar. Aber Schnee ist Schnee und egal auf welcher Seite der Welt man sich befindet: Entweder das Wetter spielt mit oder eben nicht. Wir hatten Glück und Pech. Erst einen „massive dump“ wie die ganzen Aussies in Japan sagen und dann nur mehr Wind und kein Neuschnee.

Mit Sportgepäck zu reisen ist eigentlich kein großer Aufwand mehr. Wenn dann aber auch noch Lawinen- Airbags dazu kommen und die übergenauen Japaner, kann das schon zu etwas längeren Flughafen- Diskussionen und Maßband- sowie Sicherheitschecks führen. Airbags anmelden nicht vergessen und das Safety-Blatt der Gaskartusche mitbringen. Und der Skibag sollte die Gesamtmaße wirklich nicht überschreiten – es wurde ernsthaft nachgemessen und akribisch notiert.

 

Unser kleines Skiabenteuer startete in Sapporo. Die Flocken fielen dicht und wir holten erstmal unseren Mietwagen ab. Für Japan macht es Sinn einen Österreicher bzw. in unserem Fall eine Österreicherin dabei zu haben. Warum auch immer, aber Österreicher können einfach mit einem internationalen Führerschein fahren. Für Lisa war das einerseits sehr witzig, Linksverkehr irgendwo in Asien; andererseits manchmal auch gemein, vor allem wenn die drei Jungs mit Bier nach dem Skifahren happy auf der Rückbank saßen. 

Im Vorfeld hatten wir versucht, die besten Skispots zu finden – gar nicht so einfach. Es macht auf jeden Fall Sinn auch mal in einem kleinen Skigebiet vorbei zu fahren. In den großen Resorts ist es ähnlich wie zuhause – wenn kein Neuschnee kommt ist es nach einem Tag verspurt. Die ersten beiden Skitage verbrachten wir in Furano – definitiv eine gute Wahl. Ein für japanische Verhältnisse mittelgroßes Gebiet mit vielen off-piste Möglichkeiten und der besten Suppenküche direkt am Lift. Wer auf Ramen steht, muss unbedingt nach Furano! Wir hatten in einem kleinen Bed and Breakfast übernachtet und wurden dort erst von der Seniorchefin mit einer Tee-Zeremonie empfangen und Abends dann vom Seniorchef mit selbst gebrautem Schnaps abgefüllt. Das Haus selbst und auch die Traditionen entsprachen ganz unserem Bild von Japan – getoppt dann nur noch von den WC-Schlapfen.

 

Danach hatten wir uns ein Skitourenziel der etwas anderen Art vorgenommen- die Besteigung des Mt. Asahiadake. Ein Vulkankegel, bei dem man relativ gemütlich den ersten Teil mit einem Lift fahren kann und dann – gemeinsam mit vielen anderen Gipfelaspiranten – per pedes weiter zum Gipfel läuft. Wer dazu detaillierter Infos möchte, findet die in einem Blogartikel etwas weiter hinten. Allein für die Aussicht, den Kampf gegen Wind und Kälte (Minus 20!) und für die Abfahrt durch Nebelschwaden hat es sich gelohnt! 

Unser dritter und letzter Ski-Stopp war in DEM Skiort Japans – Niseko. Dort wurden wir besonders freundlich im MnK Resort empfangen, einer kleinen und besonders feinen Holzhaus-Siedlung etwas abseits des Trubels. Niseko ist voll von Australiern, Amerikanern und anderen Ausländern und man fühlt sich eher wie irgendwo in einem amerikanischen Skigebiet. Das Resort ist sehr weitläufig und es gibt zahlreiche Startpunkte für lange Skitage. Diese enden dank der zahlreichen Nacht-Skioptionen erst gegen 21 Uhr. Um abseits der Pisten fahren zu dürfen, muss man hier eines der zahleichen Gates passieren. Voraussetzung ist, dass man zumindest die Basis-Safety Ausrüstung dabei hat. 

Wir hatten mit dem Wetter dann leider etwas Pech und nach unserer Ankunft in Niseko fiel nur mehr wenig Neuschnee und es war sehr windig. Der Vorteil in Niseko ist, dass es zahlreiche andere Optionen gibt um den Tag zu geniessen. So haben wir an einem Downday die Gegend erkundet und waren entspannen in einem der zahlreichen Onsen. Wenn man etwas Zeit und ein Auto mitbringt, kann man eben auch in einen der etwas weiter entfernten Outdoor-Onsen in den Bergen fahren. Onsen sind so etwas wie kleine Thermalbäder mit sehr strengen Regeln. Ein Großteil der noch traditionell geführten Onsen sind getrennt nach Männlein und Weiblein und man muss sich bevor man das Becken betritt nach genau festgelegten Regeln waschen – mit je mehr Schaum desto besser. Damit auch jeder sieht, dass man ganz sauber ist. Nach einem langen, kalten Tag im Schnee auf jeden Fall ein willkommener Ausklang. 

Nach mehr als einer Woche auf Skiern war es Zeit für den Sightseeing-Teil unserer Reise. Wir verbrachten noch drei spannende Tage in Tokio. Eine Metropole, die einen Besuch auf jeden Fall wert ist. Voll mit tatsächlich erfüllten Cliches über die japanische Lebensweise, lustigen Erlebnissen im Vor-Ort in dem wir untergebracht waren und endlosen Bahnfahrten durch die Millionenstadt.


Good to know:

 

Flug ab München; gebucht mit Lufthansa; wir haben einfach einen Gabelflug MUC-Sapporo und Tokio-MUC gebucht und dann noch einen einzelnen Inlandsflug Sapporo-Tokio um den günstigsten Preis zu erhalten.

 

Eine Mischung aus bekannten/ großen Resorts und dann dem spontanen Entdecken von kleinen Skigebieten macht sicher am meisten Sinn! Dafür sollte man aber auf jeden Fall mehr als eine Woche „Skizeit“ einplanen um v.a. in Bezug auf den Schneefall flexibel zu bleiben

 

 

Wir wurden von Niseko Tourism und dem MnK Resort großzügig unterstützt, weil wir einen Zeitungsartikel in einer deutschsprachigen Hongkonger-Zeitschrift verfasst haben. Das MnK Resort ist auf jeden Fall zu empfehlen, auf Grund der Größe der Häuser lohnt es sich, wenn man mindestens zu fünft oder mit mehr Freunden unterwegs ist.